Einleitung:

Diabetes mellitus ist ein zunehmendes gesundheitliches und auch ökonomisches Problem unserer Gesellschaft.

Wir sprechen hier vom Diabetes mellitus Typ 2 der den überwiegenden Anteil aller „Zuckererkrankungen“ ausmacht. Diese Form beruht hauptsächlich auf einem chronischen Überschuss von Zucker im Blut und der „Unfähigkeit“ diesen zu verarbeiten. Die Folgen betreffen hauptsächlich die Gefäße, die durch die ständig erhöhter Zuckerkonzentrationen geschädigt werden. Betroffene Endorgane sind die Augen, das Herz, das Gehirn, die Nieren und die Beine. Die Schädigung dieser Organe verursacht auch das Leid und die größten Kosten, die mit dieser Erkrankung verbunden sind.

Derzeit sterben weltweit an Diabetes genauso viele Menschen wie an AIDS und es handelt sich um ein wachsendes Problem: 2003 gab es schätzungsweise 194Mio Diabetiker weltweit. Bis 2025 könnten es 333Mio sein und damit um 72% mehr! Die Kosten die das Gesundheitssystem dafür aufbringen muss sind vor allem im fortgeschritten Stadium enorm und betragen 2,5- 15% der gesamten Gesundheitskosten. Zählt man die Kosten von Arbeitsausfällen dazu können diese noch fünfmal höher sein. In einer amerikanischen Studie fanden sich Kosten im Schnitt für Patienten die an Diabetes erkrankt sind von US$ 13.243.- gegenüber US$ 2.460.- für Nicht Diabetiker. Die Kosten sind aber nicht nur für das Gesundheitssystem enorm, sondern auch für den Patienten- Rezeptgebühren, Spezialeinlagen, Fahrtkosten, Krankenschein- und Ambulanzgebühren, sowie Gebühren für Krankenhaus und Heilaufenthalte. Weiters vermindern Krankenstände und frühzeitige Pensionierung das Einkommen.

Zuletzt bleibt dann noch das Leid, das diese Krankheit verursacht: Beinamputationen, Blindheit, Herzinfarkte, Schlaganfälle mit schweren Behinderungen, Dialyse (Nierenwäsche) bis zu 3x pro Woche, etc.

Dies alles sind gewichtige Argumente für eine Vorbeugung und kausale Therapiekonzepte.

Entstehung der Zuckerkrankheit:

Der wichtigste Mechanismus bei Entstehung der Typ 2 Diabetes ist die „Insulinresistenz“. Insulin ist ein Hormon, das in der Bauchspeicheldrüse gebildet wird und dessen Hauptaufgabe es ist den Zellen mitzuteilen, dass sie Zucker aus dem Blut aufnehmen sollen. Die beiden größten Zuckerverwerter in unserem Körper sind dabei das Gehirn und die Muskulatur.

Wenn es nun zu einem Missverhältnis zwischen Zuckerspiegel, Muskelmasse und Insulinmenge kommt führt dies zuerst nur nach zuckerreichen Mahlzeiten zu einem überschießenden Blutzuckeranstieg und man spricht von einer gestörten Glucosetoleranz als Vorstufe eines Typ 2 Diabetes. Bereits dieses Phänomen kann wie in Studien gezeigt werden konnte zu frühzeitigen Herzinfarkten führen. Erst in weiterer Folge bleibt der Zuckerspiegel hoch und es kommt zu Vollbild des Diabetes, der schließlich zur Ausscheidung von Zucker im Harn mit vermehrtem Harndrang (Diabetes= Harnflut, mellitus= süss) führt.

Neben einer genetischen Belastung, die vom einzelnen nicht beeinflussbar ist, sind überkalorische Ernährung mit Übergewicht und Bewegungsarmut mit einem damit verbunden Muskelabbau hauptverantwortlich für die Entstehung der Erkrankung.

Die Trainings- Therapie der Zuckerkrankheit:

nach den Richtlinien der österreichischen Diabetes Gesellschaft besteht die Basistherapie immer aus folgenden Punkten:

Ernährungsumstellung

Gewichtsreduktion

Schulung

Bewegung

Rauchstopp

erst danach kommen Medikamente zum Einsatz und dies auch nur zur Ergänzung- die Basistherapie bleibt immer Bestandteil des Therapiekonzeptes.

Für die Ernährung, Schulung sowie den Rauchstopp gibt es Therapiekonzepte. Die Gewichtsreduktion ist ein sekundäres Phänomen, wenn die Basistherapieziele umgesetzt werden.

Wie erfolgreich dieses Konzept ist beweisen Studien, die eine Reduktion des Auftretens von Diabetes um im Schnitt 50-60% zeigten, wenn eine Basistherapie mit Beratung, Schulung und Anleitung durchgeführt wurde. Der Erfolg war umso größer, je besser die einzelnen Punkte umgesetzt wurden.

Als problematisch erwies sich bis vor kurzem der Teil „Bewegung“. Im Gegensatz zu den anderen Punkten existierten weder Studien noch genaue Empfehlungen, dabei sind für ein effizientes Training ganz klare Punkte zu fordern, die seit langem aus der Trainingslehre bekannt sind: Art des Trainings, Häufigkeit, Länge, Intensität, Steigerungen- nur wenn alle fünf Punkte erfüllt sind, ist ein effizientes Training möglich.

Da sowohl eine Verbesserung der Grundlagenausdauer, als auch der Kraft inzwischen in Studien eine eindeutige Verbesserung der Stoffwechselsituation und auch die Reduktion der Häufigkeiten von vorzeitigen Herzkreislauferkrankungen und diversen Krebserkrankungen bewiesen haben, sollten beide Grundeigenschaften auch trainiert werden.

Die Empfehlungen erfolgen am besten nach Durchführung eines Leistungstests (z.B. im Rahmen einer Belastungs- Ergomterie) zur Bestimmung der Trainingsherzfrequenzen für das Grundlagenausdauertraining und in Erstellung eines „Trainingsrezeptes“ das in etwas so aussehen kann:

1.; Grundlagenausdauertraining:

mindestens 3x/Woche (bis zu 5x/Woche)

mit mindestens 10min

mit Sportarten: Radfahren, Laufen, Nordic walking, Rudern, Inlineskating, Schwimmen, Langlaufen, etc. (ingesamt sollten Sportarten mit mehr als 60%iger Beteiligung der Gasamtmuskelmasse gewählt werden, da nur diese das Kriterium für Grundlagenausdauertraining erfüllen)- die einzelnen können und sollen auch gewechselt werden um eine einseitige Belastung zu vermeiden und für Abwechselung zu sorgen.

mit vorgegebener Herzfrequenz (je nach Sportart variabel und auf Grund eines Leistungstest berechnet)- die oftmals empfohlene Formel nach Conconi mit Verwendung einer allgemeinen Ruheherzfrequenz von 70/min und einer maximalen Herzfrequenz berechnet mit 220 minus Lebensalter sollte NICHT verwendet werden, da dies zwar statistisch in Ordnung, aber bei einer individuellen Schwankungsbreite von bis zu +/- 20% viel zu ungenau ist.

mit einer Steigerung der Trainingszeit alle 4-6 Wochen um jeweils 5 Minuten bis zu einer Länge von 40 Minuten (maximal 60 Minuten 4x pro Woche) pro Trainingseinheit.

Hiermit ist von einer Leistungssteigerung auf ca. 125-145% gegenüber den Referenzwerten auszugehen, die alle gesundheitsrelevanten positiven Effekte, die wir aus großen Studien kennen beinhalten.

2; Maximalkrafttraining:

mit der Durchführung von 5-8 Übungen als Zirkel für die Kräftigung aller großen Muskelgruppen (Arme, Brust, Bauch, Rücken, Beine)

mit Maschinen, (Boden) Turnübungen oder Theraband

mit 8 bis 15 Wiederholungen bis zu letzten Wiederholung

mit einer Häufigkeit von 1 mal pro Woche

mit einer Steigerung alle 4-6 Wochen um einen weiteren Zirkel bis zu 4 Zirkel (entsprechend einer wöchentlichen Nettotrainingsbelastung von vier, oder auch vier Sätzen pro Muskelgruppe und Woche)

Am Beginn sollte man entweder in einem Fitnesscenter unter Anleitung auf Maschinen die geführte Bewegungen erlauben beginnen um das Verletzungsrisiko zu minimieren. Auch sollten die ersten 2-3 Wochen die Übungen nur mit einer geringen Intensität mit ca. 15 Wiederholungen durchgeführt werden um diese vom Bewegungsablauf zu erlernen.

3; Gleichgewichts und Koordinationstraining

alle 1-2 Tage 5- 10min z.b. durch Üben mit einer „Wackelscheibe“ zur Kräftigung der Rückenmuskulatur und als Sturzprophylaxe

und/ oder Ausdauertraining „im Gelände“ zur Gleichgewichtsschulung

und/oder Klettertraining

Der gesamte Zeitaufwand für dieses Trainingsprogramm lässt sich mit minimal 3x40 Minuten Ausdauertraining = 2 Stunden plus Krafttraining (6 Übungen mit 3-4 Sätzen) ca. 45-60 Minuten, Gleichgewichtstraining ca. 30 Minuten etwas Aufwärmen und Stretching ca 30 Minuten, also insgesamt ca. 4 Stunden pro Woche angeben.

Auch die Kosten halten sich in Grenzen: Turnschuhe ca. € 120.-, Sportwäsche ca. € 100 bis 200.-, Theraband € 10.-.

Das Grundkonzept dieses Programms entspricht nicht nur den Ansprüchen der Diabetes Basistherapie, sondern auch einer allgemeinen Gesundheitsprävention, die sich als ca. 35% bis 40%ige Risikoreduktion vorzeitig an Herzkreislauferkrankungen oder Krebserkrankungen zu versterben beziffern lässt.

Vorsichtsmassnahmen:

Bei bereits bestehendem Diabetes sollte eine Trainingstherapie immer nur nach Absprache mit dem behandelnden Arzt bzw. mit einem sportmedizinisch ausgebildetem Arzt begonnen werden. Es müssen z.b. die Blutzuckerwerte beim Beginn der Traininseinheit unter 250mg% liegen. Weiters ist selbstverständlich bei akuten Erkrankungen, vom banalen Infekt bis hin zum akuten Herzinfarkt immer das Training zu pausieren. Alle chronischen Zustände sind in aller Regel ein Grund ein Training durchzuführen (also z.B. nach dem akuten Herzinfarkt).

Für weitere Informationen stehe ich Ihnen im Rahmen meiner Ordination gerne zur Verfügung.

Literatur beim Verfasser.